Die Eltern als Katecheten ihrer Kinder

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Ist Gott ein Mann oder eine Frau?
Gott ist weder Mann noch Frau. Das glauben Juden, Christen, Muslime und Anhänger anderer Religionen mit nur einem Gott. Aber in der Bibel oder im Gottesdienst ist doch die Rede von «Gott, dem Vater». Wie passt das zusammen? Damit ist gemeint, dass Christen Gott manchmal wie einen Mann und manchmal wie eine Frau erleben. Zum Beispiel beschützt Gott sie wie ein guter Vater, oder tröstet sie wie eine liebende Mutter.Am weitesten verbreitet ist die Vorstellung von Gott als Vater. Jesus selbst hat zu seinem Vater im Himmel gebetet und uns eingeladen: «Wenn ihr betet, dann sprecht: Vater unser im Himmel…» Durch dieses Gebet, das allen Christen bekannt ist und von ihnen beinahe täglich gebetet wird, ist das Bild vom männlichen Gott am geläufigsten. Gleichzeitig kennt aber das Alte Testament auch das Bild von Gott als liebende Mutter: «Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht» (Jes 49,15), ja, wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröstet uns Gott (Jes 66,13).

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Der 1978 nach nur 33-tägiger Amtszeit verstorbene Papst Johannes Paul I. hat die berühmte und für manche provokative Aussage gemacht: «Wir wissen: Gott hat die Augen immer offen über uns, auch wenn es scheinbar Nacht ist. Gott ist Papa, mehr noch, er ist Mamma. Er möchte nur Gutes für uns tun, für uns alle. Die Kinder wenn sie etwa krank sind, haben einen zusätzlichen Anspruch darauf, von ihrer Mutter geliebt zu werden. Und auch wir, wenn wir zum Beispiel an Bosheit erkankt, oder auf dem falschen Weg sind, haben einen zusätzlichen Anspruch darauf, vom Herrn geliebt zu werden.» Einen weiteren Beleg dafür, dass Gott sowohl männliche als auch weibliche Züge in sich vereint, bietet uns die Geschichte von der Erschaffung des Menschen: «Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!» Da es männliche und weibliche Menschen gibt und beide nach Gottes Bild geschaffen worden sind, kann daraus auch geschlossen werden, dass Gott nicht nur väterlich ist, sondern auch mütterlich, mit männlichen und weiblichen Zügen. Von Gott sollen wir uns kein Bild machen, heisst es im Dekalog. Das zeigt, dass Gott auf keinen Fall vereinnahmt werden darf, er will nicht, dass festgefahrene Bilder den Blick auf ihn versperren. Das Bilderverbot fordert uns auf, alle erstarrten und festgefahrenen Vorstellungen in Frage zu stellen und gegebenenfalls zu überwinden. Jedes Bild, das wir uns von Gott machen, bleibt nur ein bescheidener, menschlicher Versuch, etwas Unbeschreibliches zu beschreiben, das letztlich viel grösser ist.
«Ist Gott ein Mann oder eine Frau?» Gott ist irgendwie beides – und doch ganz anders.
Paul Martone
