Das Evangelium nach Markus, eine Botschaft des Glücks

Der Stil des Markus passt gut zu unserer Zeit.

Foto: ESA

Es lohnt sich, das Markus-Evangelium in einem Zug durchzulesen – andere auch!  Weil es eine gute Nachricht ist, die zu uns von einem Lebenden spricht, der immer bei uns ist, wie er es schon bei den Jüngern gewesen war.  
Traditionell mit einem Löwen dargestellt, wegen der «wilden Tiere», mit denen Jesus während der vierzig Tage, in der er sich in der Wüste aufhielt, zusammenlebte (vgl. Markus 1, 12–13), schrieb der zweite Evangelist seinen Text zweifellos für die Christen in Rom, die von der Frohboschaft der ersten Missionare fasziniert waren. Man sieht in ihm einen Einheimischen aus Jerusalem, der zuerst ein Begleiter von Paulus und dann von Petrus war.
Seine Art zu schreiben überrascht uns und begeistert uns: Manchmal ist er in seinen Erzählungen reich an Details, die an Ort und Stelle festgehalten werden; anderseits ist er überraschend nüchtern, so sagt er z. B. nichts über die Kindheit Jesu. Das liegt daran, dass das Evangelium nicht in erster Linie geschrieben wurde, um unsere Neugier zu befriedigen, sondern um den toten und auferstandenen Christus zu bezeugen. Markus präsentiert den Messias in der Gestalt des leidenden Knechtes des Propheten Jesaja, und es ist, als ob sich seine Herrlichkeit auf sehr feine oder transparente, ja man könnte sagen sehr diskrete Art, zeigt. Das Evangelium des Markus stellt uns, seine Leser, vor die eindringliche Frage: Wer ist für dich dieser Mensch?
Die Frage ist zentral, sie beschäftigte schon die Apostel immerzu. Das zweite Evangelium zeigt, dass es für sie sehr schwierig war, Jesus und sein Handeln zu verstehen, da es nicht dem Bild entsprach, das sie von dem Messias hatten, der von Israel erwartet wurde. Schlussendlich ist es ein Heide, ein Fremder, ein römischer Zenturio, der ihn am Kreuz als «Gottes Sohn» erkennt (vgl. Markus 15, 39).  
Das Markus-Evangelium ist daher besonders gut geeignet für unsere Zeit, die sucht und zweifelt. Die begriffsstutzigen Jünger bieten dem zeitgenössischen Menschen guten Willens einen Spiegel ihrer eigenen Fragen. Es ist deshalb gut, genau auf die Texte dieses Evangeliums zu hören, aus dem uns während diesem Jahr (man nennt es das Lesejahr B) in den Gottesdiensten vorgelesen wird. Es lohnt sich, in diesen Texten « zuhause » zu sein.

François-Xavier Amherdt

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