Weltmissionsmonat

Hier bin ich, sende mich!

Gastland Guinea

Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Reise in unsere Weltkirche! Dieses Jahr geht es nach Guinea, in Westafrika. Lernen Sie eine Kirche kennen, die, wie wir, die Spuren Gottes im Leben sucht. Die Geschichte der Kirche Guineas ist jung und ganz anders als unsere, und doch auf überraschend vielfältige Weise mit unserer Geschichte verwoben. «Hier bin ich, sende mich!» heisst das Leitmotiv des diesjährigen Monats der Weltmission und schliesst an den Ausserordentlichen Monat der Weltmission 2019 an. Die Frage, die Jesaja hier b-antwortet, geht auch an uns: Sind wir bereit, eine Sendung anzu-nehmen, aufzubrechen und uns auf das Abenteuer des Glaubens einzulassen? Der Sonntag der Weltmission ist dieses Jahr am 18. Oktober. Nehmen Sie sich etwas Zeit und lassen Sie sich von unserer weltweiten Kirche faszinieren und inspirieren!

In Verbundenheit: Diakon Martin Brunner-Artho, Direktor missio Schweiz

COVID -19
Wenn aufgrund der Covid-19 Krankheit während des Monats Oktober erneut einschränkende Massnahmen für die Durchführung kirchlicher Aktivitäten eingeführt werden müssen, besuchen Sie uns auf der Internetseite:
www.missio.ch/wms

Guinea – Das Wasserschloss Westafrikas
In diesem kleinen Land waren in der Vergangenheit zahlreiche Schweizer Missionarinnen und Missionare im Einsatz.
Wenn die Schweiz das Wasserschloss Europas ist, dann ist Guinea das Wasserschloss Westafrikas! Der Landesname kommt von den vielen Flüssen, die dort ihre Quelle haben. Die Guineer unterscheiden vier natürliche Regionen: Nieder-Guinea (Küstengebiet), Mittel-Guinea (Gebirge), Ober-Guinea im Nordosten des Landes (Savanne) und Wald-Guinea im Südosten. Guinea ist sechsmal so gross wie die Schweiz und hat eine Bevölkerung von fast 12 Millionen Menschen. Wie in vielen afrikanischen Ländern sind seine Einwohner jung: Die Hälfte ist unter 19 Jahre alt. Die Amtssprache ist Französisch. Daneben gibt es mehr als 20 lokale Sprachen. Etwa 7% der Bevölkerung sind Christen.

Bischof Eugène Maillat
Ein unermüdlicher Missionar – in Guinea und ehemaliger Direktor von Missio
Sämann, Menschenfischer… Sein ganzes Leben hat er für Gott und die Mitmenschen gegeben! Mit diesen wenigen Worten kann man vielleicht Bischof Eugène Maillat, den ersten Bischof der Diözese N’Zérékoré in Guinea, in Kürze beschreiben. Sie reichen aber nicht aus, um zu erzählen, wie aus dem jungen Mann aus dem Schweizer Jura, der im Sommer 1944 bei den Weissen Vätern eintrat, allmählich ein mustergültiger Jünger Christi wurde. 1945, 26-jährig, wurde Eugène Maillat zum Priester geweiht und reiste im April 1946 nach Guinea aus. Nur sechs Monate später predigte und verrichtete er seine Arbeit in der Landessprache! 1951 wurde er zum jungen Apostolischen Präfekten von N’Zérékoré ernannt und 1959 zum Bischof geweiht. Damals gab es in der Diözese 26 Priester und 500 000 Gläubige. Er kümmerte sich vorbildlich um sie und trieb sie zur Selbstversorgung an. Er investierte seine ganze Kraft in die Ausbildung von Katechisten und forderte, sie sollten echte Katechisten und nicht «billige Religionslehrer» sein. Er stellte sein Bischofsamt unter den Schutz von Gobu Yaza, dem ersten Märtyrer Guineas. Im ganzen Land stiess er die Gründung von Pfarreiräten und Pastoralzentren an.

1967 erlebte er den schwierigsten Moment seines Lebens: die Ausschaffung der ausländischen Missionarinnen und Missionare aus Guinea. Von der Schweiz aus führte er seine Diözese weiterhin dank der gut ausgebildeten Katechisten vor Ort. 1973 wurde er Direktor von Missio in Freiburg. Alle waren beeindruckt von seinem Enthusiasmus und seiner Art, mit den Mitarbeitenden umzugehen. 1979 übergab er mit Freude den Bischofsstab in Guinea an einen einheimischen Bischof. Trotzdem: Sein Herz hat nie aufgehört für Afrika zu schlagen! 1988 ist er unerwartet gestorben, im Wissen, dass ihm unzählige Säfrauen und -männer nachfolgten.

Die Kirche in Guinea – Eine bewegte Geschichte

Die Geschichte der Kirche in Guinea ist jung.
Erst 1927 werden in N’Zérékoré, wo heute die meisten Christen leben, die ersten Taufen gefeiert.

Die Anfänge sind für die Weissen Väter alles andere als einfach. 1958 entscheidet sich Guinea für die Unabhängigkeit von Frankreich. 1959 wird der Jurasser Pater Eugène Maillat erster Bischof von N’Zérékoré. Maillat legt grossen Wert auf die Ausbildung der Laien. Das sollte sich als sehr weitblickend erweisen, denn 1967 werden alle Ausländer von Sékou Touré des Landes verwiesen. Darunter Bischof Maillat und der Walliser Jean-Baptiste Coudray, welcher der Diözese Kankan im Nordosten Guineas vorstand.

Dort leben die Christen als kleine Minderheit in einem mehrheitlich muslimischen Umfeld. Im ganzen Land gibt es 1967 erst sehr wenige einheimische Priester, doch sie können auf die Laien zählen. Sie halten den Glauben und die Kirche in der langen und schwierigen Zeit der Diktatur unter Touré lebendig. Das spürt man bis heute! In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Situation für die Kirche verbessert und sie blüht förmlich auf. «Als ich vor zwanzig Jahren hier ankam, hatten wir in der Stadt eine Pfarrei, heute sind es vier und die Kirchen sind voll», bestätigt Generalvikar Abbé Jean-Marie Guemou. In der Liturgie kann die gute Stimmung in überschwängliche Freude, in Gesang und Tanz münden, dass sich die Priester gezwungen sehen einzugreifen, damit die Liturgien nicht unendlich lang werden. Die Kirche engagiert sich wieder in der Bildung, hat eine nationale und diözesane Caritas aufgebaut, macht Gesundheitsarbeit und vieles mehr, auch wenn ihr nur 7 % der Bevölkerung angehören.

Die Kollekte am Sonntag der Weltmission
Diese Kollekte ist einzigartig! Sie wird weltweit gleichzeitig in allen katholischen Pfarreien der Welt durchgeführt! Das gesammelte Geld bildet den Solidaritätsfonds der Weltkirche. Dieser ermöglicht die gerechte Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel zugunsten der finanziell noch nicht eigenständigen Ortskirchen. Nur durch den gemeinsamen Solidaritätsfonds von Missio kann vermieden werden, dass gewisse Ortskirchen womöglich ohne jede Hilfe bleiben, weil sie keine direkte Verbindung nach Europa haben. Missionarische Projekte der eigenen Pfarrei dürfen nicht mit dieser Kollekte für Missio vermischt werden. Die Schweizer Bischofskonferenz ruft alljährlich die Wichtigkeit dieser offiziellen Kollekte in Erinnerung.

«Die Laien sind die Eckpfeiler der Kirche»

Ihr Männer in der Gemeinde, übernehmt eure Verantwortung: verteidigt die Frauen und respektiert sie! Das ist eine Frage der Erziehung. Ihr seid aufgerufen, Vorbilder zu sein.»    Marie Suzanne Mane

Missio: Welche Aufgaben haben die Laien, Frauen und Männer, in den Pfarreien? Marie Suzanne Mane: Die Laien sind in allen Strukturen, Bewegungen und Gruppen (Messdiener, Frauen) der Pfarrei eingebunden und informieren den Pfarrer oder seine Sekretärin über ihre Aktivitäten und Initiativen. Die Kommission Feste und Veranstaltungen ist für die Koordination aller Aktivitäten in der Pfarrei zuständig. Die Kommission Gerechtigkeit und Konflikte schlichtet Streitigkeiten, die zwi-chen Pfarreiangehörigen entstehen können. Die Kommission Familie und Berufung sensibilisiert die Jugendlichen für die Notwendigkeit, sich dem geweihten Leben oder der Ehe zu verpflichten; sie organisiert auch Gebetsnovenen. Die Pfarrei ist in kleine christliche Gemeinschaften (Basic Christian Communities, BCC) unterteilt, die jeweils einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten haben. Einige BCCs müssen fusionieren, weil die Mieten zu teuer sind oder es an Gläubigen mangelt. Die BCCs treffen sich entsprechend ihrer Aufgaben: allgemeine Organisationsfragen, Mitgliedsbeiträge für den laufenden Bau der Kirche, Reinigung der Kirche, Rosenkranzgebet (in Gruppen von drei, vier oder fünf Familien) und samstags die Frühmesse mit dem Pfarrer. Die BCCs übernehmen auch Aufgaben wie das Kochen an kirchlichen Festtagen. Der Priester betreut Austauschgruppen, Gebets- und Solidaritätsgruppen (zum Beispiel Taufvorbereitung, Liturgien, Gebetsnacht, Weiterbildungsangebote, usw.).

Wie definieren Sie den Auftrag eines Laien in der Kirche?
Die Laien sind die Eckpfeiler der Kirche. Sie schaffen Harmonie und Verständnis im Pfarreileben. Sie sind in den Räten der Pfarrei, im Pastoralteam, im Chor, in der Katechese, im finanziellen Bereich und in karitativen Werken tätig. Selbst die Vorbereitung auf die Erwachsenentaufe, Eheschliessungen und vieles mehr ist den Laien anvertraut. Die Laien sind ein starkes Bindeglied in der Pfarrei: im karitativen Bereich, in der Mobilisierung von Resourcen und in der Unterstützung.

Nehmen Frauen an den Überlegungen in der Pfarrei teil und haben sie das Recht zu sprechen?
Die Dynamik hat sich verändert: Frauen sind stark in die Entscheidungen eingebunden. In den Ausbildungs- und Exerzitienhäusern sind sie in die Ausbildung und Weiterbildung unserer Priester und Seminaristen mit einbezogen. Die Frauen sind in allen Entscheidungsgremien und den sozialen Einrichtungen vertreten und sie leiten auch mehrere Kommissionen und Verbände. Natürlich kümmern sie sich auch um die Dekoration und Reinigung der Kirche! Sie besuchen die Kranken in den Familien und in den Krankenhäusern und spenden oft an die Kirche.

Wird die wachsende Zahl von Priestern die Rolle der Laien verändern?
Das glaube ich nicht. Priester und Diakone sind berufen, ihren eigenen Dienst in Zusammenarbeit mit den Laien zu leben. Sie tun es ohne Trennung oder Vermischung der je kirchlichen Sendung.

Marie Suzanne Mane aus Conakry, Guinea
engagiert sich in ihrer Pfarrei Saint Michel de Coleah.

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